Kleine Materialkunde - Teil 1 Leder

 Kleine Materialkunde - Teil 1 Leder

 

Diese Woche dreht sich bei uns alles um’s Thema Schuhpflege. Der Herbst ist in vollem Gange, der Winter steht bevor - das ist auch eine Herausforderung für unser Schuhwerk. Wie uns Optik, Haptik und Funktion unserer Schuhe erhalten bleiben, möchten wir euch in den nächsten Tagen mit auf den Weg geben und dazu die von uns empfohlenen Pflegeprodukte vorstellen.

Zu dieser Jahreszeit sind verschiedene Lederarten und dichtes, wasserabweisendes Mesh die beliebtesten Obermaterialien unseres Schuhsortiments. Hier stellen wir euch die Lederarten mal genauer vor.

Um die richtige Pflege für einen Lederschuh zu wählen, sollte zunächst die Lederart bekannt sein. Generell verstehen sich unter dem Begriff „Leder“ durch Gerbung haltbar gemachte Häute mit erhaltener, natürlicher Faserstruktur von Tierarten wie Rind, Lamm oder Ziege. Die am häufigsten verwendeten Sorten sind Glattleder und Rauleder. Wildleder umfasst alle Lederarten, die von Tieren aus freier Wildbahn stammen. 

Glattleder bezeichnet Leder, dessen Haarseite bzw. Außenseite (= Narbenseite) nach außen verarbeitet ist. Diese Seite ist (abhängig von der Oberflächenbehandlung) strapazierfähig, flecken- und wasserabweisend, was es gerade im Herbst und Winter zu einem beliebten Obermaterial für Schuhe macht. Nappaleder ist eine besonders feine, geschmeidige Glattledersorte, aber auch wesentlich empfindlicher.

Rauleder zeigt eine samtige, offenporige und damit atmungsaktivere aber auch schmutzanfälligere Oberfläche. Die geschliffene Narbenseite, also sozusagen ein aufgerautes Glattleder, wird als Nubukleder bezeichnet. Veloursleder bezeichnet meist die von Natur aus raue Fleischseite der Tierhaut oder auch bei dicken, gespaltenen Häuten (z.B. vom Rind) den unteren Fleischspalt.

 

Die richtige Gerbung ist der wichtigste Schritt in der Lederherstellung. Als Gerbung bezeichnet man den langfristigen Konservierungsprozess der Tierhaut mit Hilfe von Gerbstoffen. Dadurch wird das Leder flexibel, haltbar und Temperaturbeständiger. Bei der echten Gerbung gehen die Stoffe eine untrennbare Verbindung mit den Fasern des Leders ein. Dazu zählen die Chrom- oder Pflanzengerbung. Eine unechte Gerbung ist auswaschbar und instabil - das ist bei Weiß- oder Fettgerbung der Fall.   

Das Gerbverfahren der sogenannten Chromgerbung mit Chrom (III)-Salzen wird inzwischen zu rund 85 Prozent der weltweiten Lederherstellung verwendet und gilt als gesundheitlich unbedenklich. Gesundheitsschädliches Chrom VI Salz wird in den Gerbereien unserer Hersteller nicht verwendet. 

 FOM (free of metal) ist die Bezeichnung für Leder, die vollständig ohne Verwendung von Metallen und ihren Verbindungen (etwa Aluminium, Eisen oder Titan) gegerbt worden sind. Laut der entsprechenden Normen darf ein als "chromfrei gegerbtes Leder" deklariertes Leder maximal 0,1% Chrom III enthalten.

Aktuell ist die Chrom-III-Gerbung dominant, denn der Gerbprozess ist schneller und materialsparender als bei pflanzlich gegerbten Ledern. Das mit Chrom gegerbte Leder ist zudem reißfester, flexibler und leichter wodurch es sich besser verarbeiten lässt. 

Die Gerbung mit pflanzlichen Stoffen gibt es seit mehr als 5.000 Jahren und war über viele Jahrhunderte die Hauptgerbart. Es gibt rund 300 verschiedene Pflanzenarten weltweit, die zur Gerbstoffgwinnung genutzt werden können, pro Haut werden dabei ca. 30 kg Rinde oder 20 kg Früchte oder 90 kg Eichenholz verbraucht. Der Lohgerbprozess benötigt etwa 20 - 30 Monate und ist damit Zeit- und Ressourcenaufwendiger als die Chromgerbung.

 

Morgen erfahrt im ihr nächsten Blogartikel unserer Themenwoche mehr über Lederalternativen wie Canvas und Mesh, sowie Membranen, die das Material wasserfest machen. 

Am Donnerstag und Freitag folgen die Pflege und Reinigungstipps für die unterschiedlichen Materialien.

 

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